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TÖRN 106.17 – Position 18.03. +19.03.2017

Moin Moin…(ich weiß, in Hamburg ist das schon Gesabbel)

Es wird Zeit, dass wir uns einmal wieder melden und Euch Daheimgebliebenen  an unserem Bordleben teilhaben lassen. Deutschland ist weit weg, Nachrichten aus der Heimat erreichen uns nicht und ehrlich gesagt, ist mir auch noch keiner hier während der Reise begegnet, der Sehnsucht nach eben diesen Nachrichten hat. Wir sind alle gut gelaunt und lassen uns bei 30 Grad von der Sonne verwöhnen und genießen die Nachtwache in kurzer Hose und T-Shirt. Das Meer um uns herum lockt mit 27 Grad Wassertemperatur, jedoch auf das Baden müssen wir noch ein paar Tage warten.

Momentan findet man uns und die Alex etwa 57 SM nördlich von Barranquilla. Für die nautischen Schlaumeisen unter der verehrten Leserschaft hier noch die genaue Position-druckfrisch-quasi noch warm-von der Brücke: 13°08,6 Nord/72°20,5 West.

399 SM inklusive 4 Halsen liegen bereits hinter uns (und es bleibt dabei, bisher waren es lediglich nur 2 SM mit Maschine) In etwa 1 ½ Stunden (15:30 UTC)werden wir  den Kurs 250 ansteuern und uns dann auf direktem Weg nach Cartagena befinden. Mit anderen Worten: Der Badestopp rückt immer näher. Noch 280 Seemeilen also…und dann geht es ab ins Wasser!

Das haben wir uns alle aber auch verdient. Hier wird fleißig gesegelt, Theorie gemacht und ganz wichtig: Schiffspflege betrieben. Nachdem in Port of Spain endlich die lang ersehnte weiße Farbe geliefert wurde konnte Bootsmann Heinz die Mannschaft zur Pinselparty mit Rollenspielen laden. Die Einladung wurde vielfach angenommen. In den letzten 2 Tagen wurde jeweils von 8:00 – 17:00 Uhr entrostet, removed, geflext, grundiert und gepinselt. Selbst der Hochdruckreiniger konnte Dank Trainee Eddy wieder zum Einsatz kommen. In seinem „richtigen Leben“ ist er Elektriker und wir freuen uns nun über das reparierte Arbeitsgerät. Wer bisher trotz intensiver Sonne ohne Sonnenbrille auskam braucht nun dringend genau so eine, um gefahrlos über das Hauptdeck zu laufen. Kein Seemannsgarn und auch immer noch ohne Mauby: Es ist alles weiß. Ganz weiß. Also so richtig weiß. Der Bootsi wollte für den geplanten Empfang ein strahlendes Deck. Der Bootsi hat nun für den Empfang ein blendendes Deck! Und: Er hat natürlich noch weitere Arbeiten. Das scheint in den Genen eines Bootsmannes zu liegen, dass er des Verteilens von Arbeit nicht müde wird.

Da ich normalerweise als „Unterdeckschreck“ oder auch liebevoll Kellerkind genannt nicht so oft an Deck komme und auch nicht wirklich viel von den Wachen miterlebe muss ich nun regelmäßig mit verschiedenen Crewmitgliedern Interviews führen um überhaupt diesen Bericht schreiben zu können. Dabei kommt es natürlich auch zu kuriosen Szenen.

Heute Morgen zum Beispiel saßen unsere beiden Maschinisten in der Messe und standen mir Rede und Antwort. Ganz in weiß. Schließlich ist Sonntag. Und auch wenn ich es nicht zu oft erwähnen soll, den beiden geht es super. Dank der tollen Vorarbeit der bisherigen Maschinisten läuft bisher alles ohne Probleme. Das einzige, was den beiden zu denken gibt ist der relativ geringe Wasserverbrauch. Die Osmoseanlage (für Schiffsneulinge: hier wird aus Meerwasser Frischwasser hergestellt)produziert 8m³ Wasser am Tag. Verbraucht werden aber nur 5-6m³. Wir haben überlegt, ob der Doc und die Wirtschafterin mal eine Hygienekontrolle machen sollten. Zumindest sind uns bisher noch keine Geruchsauffälligkeiten unter die Nase gekommen…Vielleicht duschen ja immer 2-4 gleichzeitig. Auf so einer Reise kommt man sich ja schnell mal näher. Direkt nach dem Notrudermanöver wird die Seewasserdusche  an Deck angestellt, das hilft ja auch ein bißchen.

Zum Abschluss wird es noch ein wenig poetisch. Steuermann Thomas wurde gestern bei Sonnenaufgang von mir befragt. Aber statt nautischer Angaben gab es ein eigens von ihm geschriebenes Gedicht. Mit seiner Erlaubnis darf ich es in Teilen für den Bericht verwenden.

„…und wieder streicht Aphrodite mit ihren sanften Rosenfingern über den östlichen Horizont“

Und genau darauf freuen wir uns noch in den nächsten Tagen. Morgens von 4:00-05:00 Uhr das Kreuz des Südens und danach ein traumhafter Sonnenaufgang!

Viele Grüße von Bord senden Euch Kapitän Wolfgang und Andrea