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TÖRN 103.17 – Position 04.02 – 08.02.2017

Törn 103.17 Marigot/ St. Martin – Marigot/ St. Martin
Bordbericht 04.-08.02.2017
Wetter: Luft 28 Grad, Wasser 27 Grad, blauer Himmel und schattenspendende Wolken wechseln sich ab.
Position 08.02., 08:00 Local time (MEZ -5 Stunden): 17°21,1’N 062°57,8’W

Liebe Logbuch-Leserinnen und –leser!

Einige von Euch haben es vielleicht schon vermutet: Die ersten Tage dieser Reise auf der ALEX II waren so ereignisreich, dass für das Verfassen eines Berichtes erst jetzt die Zeit bleibt. Aber der Reihe nach – was bisher geschah:

Am Samstag war der Tag des Crew Change, die meisten Atlantik-Übersegler verließen nach vielen tollen Seemeilen wehmütig unsere „Grüne Lady“. An dieser Stelle ein großes Danke dafür, dass ihr das Schiff heil und pünktlich über den großen Teich gebracht habt!

Zunächst fand der Austausch der Besatzung per Schlauchbootshuttle statt, da die ALEX II noch vor Anker lag – ein Kreuzfahrtschiff nutzte unseren Liegeplatz. Am späten Nachmittag gingen wir Anker auf und verholten an die Galisbay-Pier im Handelshafen von Marigot, der Hauptstadt des französischen Teils der Karibikinsel Saint Martin/ Sint Maarten (der andere Teil ist niederländisch, Hauptort ist Philippsburg – aber das nur nebenbei). Über die Gangway vervollständigte sich die neue Crew – bis auf Kapitän Rainer, der wegen eines verpassten Anschlussfluges zwei Tage später unter die karibische Sonne kam als geplant. Dankenswerterweise verlängerte sein Vorgänger Stefan als „Ersatzmann“ seinen Aufenthalt an Bord.

Gleich nach dem Abendessen stand die Kaje voller Proviant, dessen Verladen uns trotz der späten Stunde ordentlich ins Schwitzen brachte – es herrschten noch immer karibische 26 Grad. Doch die Mühe sollte sich lohnen: Aus den weggestauten Lebensmitteln zaubern Smut Udo und Smutje Claudia nun täglich mehrmals die leckersten Sachen – von Bircher-Müsli oder Rührei zum Frühstück über Karibische Bratwurst mit Cole Slaw zum Mittag bis hin zu fruchtigem Geburtstagskuchen für unseren nunmehr siebzehn Jahre jungen Leichti Raphael.

Der erste Tag ging mit einer kurzen Sicherheitseinweisung durch die Topsis und einer Begrüßung durch Rainers Stellvertreter Alex zu Ende. Mit leichtem Jetlag sank die neue Crew in ihre Kojen und schlummerte dem neuen Morgen entgegen. Nur für eine der Festmacherleinen endete die Nacht abrupt, als sie dem Schwell im offenen Hafenbecken nicht mehr standhalten konnte oder wollte. Um das Schiff trotzdem sicher an der Pier zu halten, wurde die Zahl der Vor- und Achterleinen sowie Springs auf insgesamt neun erhöht, außerdem ließ die Schiffsführung beide Anker fallen. Durch das kristallklare Wasser grüßten sie vom Grund des Hafenbeckens.

Am Sonntag organisierte die Caribbean Sail Training Organisation ein Open Ship, an dem sich neben der ALEX II auch die niederländische „Wylde Swan“ und die Polnische „Fryderyk Chopin“ beteiligten. Etwa 1350 Touristen und vor allem die Einheimischen nutzten das Angebot sehr rege. Trainee Rainer machte mit seiner Schiffermütze offenbar einen äußerst kapitänigen Eindruck, jedenfalls wollten alle Kinder ein Foto mit ihm, auch seine Unterschrift auf den Alex-Postkarten aus der Schlappskiste war sehr gefragt.

Viele Trainees genossen den „freien Tag“ und erkundeten die Strände der Umgebung – sie kehrten voller Sand und karibischer Gelassenheit an Bord zurück. Abends trafen sich Teile der Crew zu einem „Pier-Bier“ auf der Kaje, genossen den Blick auf unser schönes Schiff und die Vorfreude auf den anstehenden Törn.

Der Montag begann mit intensiven Einweisungen der Wachen: Die Topsis erläuterten den Trainees den Aufbau des Riggs, die Kommandos bei Segelmanövern, das richtige Handling der Tampen und mehr. Wer wollte, konnte unter fachkundiger Begleitung durch die Stammcrew ins Rigg aufentern und den postkartenkitschig-schönen Ausblick über die türkisfarbene Bucht von Marigot genießen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch gleich ein Untermarssegel ausgezeisert und zur Probe einmal gesetzt und wieder geborgen.

Nach dem Mittagessen dann endlich das ersehnte Kommando von Kapitän Rainer: „Klar vorn und achtern!“ Sämtliche Leinen, Springs und Anker wurden ein- bzw. aufgeholt, die Gangway abgebaut und um kurz nach 13 Uhr drehte sich der Bug der ALEX II in Richtung der offenen karibischen See – die Reise hatte begonnen. Keine Stunde nach Verlassen des Hafens setzte die 0-4-Wache mit Unterstützung einiger hilfswilliger Freiwächter die ersten Segel und als der Himmel schön grün war, wurde der Unterwasserbesan (also die Antriebsmaschine) zur Ruhe geschickt. So fuhr die Crew bei angenehm warmem Segelwind und südlichem Kurs in ihre erste Nacht auf See. Das Schaukeln des Schiffes in den Wellen wiegte manche Besatzungsmitglieder sanft in den Schlaf, anderen bescherte es eine ins Segelgrün changierende Gesichtsfarbe und den Drang, auch die Außenbords Kameraden (d.h. die Fische) am Abendessen teilhaben zu lassen.

Noch im Dunkeln passierten wir die Vulkaninsel Saba. Unserem ersten Etappenziel, der kleinen Hafenstadt Basseterre auf St. Kitts, waren wir damit bereits ziemlich nahe gekommen. Andererseits ist auch der Weg das Ziel, so dass der gesamte Dienstag im Zeichen des Segelns stand. Bei beständigen 5 bis 6 Beaufort aus östlicher Richtung (endlich mal ein Passat ohne Abgasskandal!) fuhren wir mehrere Halsen, die alle prima klappten. Abends mussten die Rahsegel leider geborgen werden, damit wir unter Maschine näher an St. Kitts herankommen konnten.

Am Mittwoch waren alle Seekranken wieder hergestellt und wir segelten weiter vor St. Kitts, nun ein Stück dichter unter Land. Während diese Zeilen entstehen, herrscht zwei Decks tiefer im „Bordkaufhaus“, der Schlappskiste, lebhafter Shoppingtrubel. Auf den Land fall in Basseterre und weitere tolle Segeltage bei Traumwetter freuen sich

Matrose Jirka, Kapitän Rainer und die Crew