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TÖRN 102.17 – Position 27.01.2017

Tagesbericht  27.01.2017

Törn 102.17  Sal/Kap Verden – Marigot/Saint Martin
Position 08:00 hrs                 18°31‘ N   50°86’W
Tagesleistung: 113 Nautische Seemeilen (SM) Ost-Nord-Ostwind Stärke 2-3 sonnig,  See ruhig gekräuselt

Liebe Freunde der ALEXANDER von HUMBOLDT II,

da bin ich wieder, von wegen Lara ist abhanden gekommen, obwohl ich bereits tatsächlich unter dem Karibik Feeling „leide“ und ich kann euch sagen, das  ist wirklich sehr schön. Außerdem hat es nach dem heutigen Tag sowie so schon die Meisten der Besatzung getroffen. Dieses Feeling verbreitet sich nämlich rasend schnell und man wird es nur sehr schwer wieder los.

  1. Januar

In der vergangenen Nacht waren Orion, der große Wagen und all die anderen Sternenbilder schon wieder gut zu sehen. Außerdem bescherte uns der an dieser Stelle schon oft erwähnte Rasmus ordentlichen Wind aus Osten, mit satten 5 Knoten pflügten wir durch die See. Doch das war unserem Steuermann in Ausbildung André noch nicht genug, also ordnete er zusammen mit Toppsmatrose Jan einige Segeltrims an. Ganz oben auf der Liste stand das Brassen und so veranstaltete die 0-4 Wache am Anfang ihrer Schicht eine Brassparty. Dabei wurden alle Rahen erst grob und dann fein gebrasst.
Ergebnis: Wir hatten uns um 0,5 Knoten gesteigert. Yeah! Aber da geht noch was, dachte sich André. Also wurden noch die Schoten und Hälse justiert.
Als gerade alles geschafft war und die Segel nahezu perfekt zum Wind standen, flaute der Wind ab und die Fahrt war zu Ende. Aber dennoch, wir sind in dieser Nacht unter die 800 Seemeilen Grenze gekommen und haben nun nur noch weniger als  730 Seemeilen vor uns, bis wir in Marigot ankommen.
Daher hat sich das oben genannte Karibik Feeling in den letzten Tagen zunehmend ausgebreitet und immer mehr Personen an Bord sind inzwischen betroffen.

  1. Januar

Der Morgen begann mit  blauem Himmel und warmen Sonnenstrahlen. Er erweckte den Eindruck, einer von der Sorte Tagen zu sein, der besonders heiß wird. Gegen Mittag war dann auch eine ordentliche Temperatur von 25° Grad erreicht, welche tatkräftige Unterstützung von der Sonne erfuhr. Am Ruder wurde man mittlerweile von der Sonne gebacken und so war das Steuern nur noch mit Sonnenhut, Sonnencreme und einer guten Ration Wasser zu ertragen.
Irgendwann verzogen sich die Menschen an Deck unter das Großsegel welches kostbaren Schatten spendete. Dort saßen und lagen sie, wie eine Löwenfamilie in der Savanne liegt, wenn sie träge und müde von der Sonne, ihre Siesta im Schatten verbringt.
Nichts tun ist für die stehende Wache natürlich keine Alternative also wurde das Spleißen und Takeln geübt. Und so musste nicht einmal der hoch geschätzte, sonnenfreie Platz verlassen werden, um nicht den Eindruck zu erwecken, man würde wie die großen Wildkatzen faulenzen.
Eine andere Möglichkeit, welche die Löwen in der Savanne nicht haben, war an diesem Tag, hoch ins Rigg zu klettern, denn dort oben war der Wind kühl und die Sonne nicht ganz so stechend wie an Deck. Als all diese Dinge jedoch nichts mehr nützten kam der Deckspool zum Einsatz und eine kleine Poolparty auf dem Mitteldeck fand statt. Dafür wurde das Nichtschwimmerbecken mit kaltem Wasser befüllt und Musik installiert. Alle Partygäste wurden und wie kann es anders sein?- innerhalb kürzester Zeit mit dem Karibik Feeling angesteckt.

Donnerstag ist ja bekanntlich der Seemannssonntag. Also gab es auch heute zum Nachmittag einen leckeren Streuselkuchen. Man könnte fast meinen, dass wir uns jeden Tag eine neue Ausrede einfallen lassen, um Kuchen zu essen.
Gestern Geburtstag, heute Seemannssontag, aber es gibt einfach immer wieder einen anderen Anlass. Danach hat Julia ihren Vortrag zur Geschichte der Traditionssegler gehalten und uns über viele Begriffe und deren Entstehung aufgeklärt. Und ihr wisst ja, wer ebenfalls erfahren möchte wo sich das „Eselshaupt“ befindet oder wer sich fragt wieso es „Stengestagsegel“ heißt, sollte eine Reise mit der Alex-2 buchen. Man kann sich sicher sein, ein Törn  bereichert einen um einiges mehr als die Erklärung dieser beiden Wörter.

Heute sichteten wir wieder einen Zwergwal, welcher sich lange Zeit am Heck der Alex-2 aufhielt, angelockt wurde dieser, laut unseres Bootsmanns, von einem verlorengegangenen MP3 Player. Ricarda hatte sich auf der Back ausruhen wollen, als ihr Musikgerät in ein Speigat fiel und von da aus direkt ins Meer verschwand. Jetzt spielt der MP3 Player zwar keine Musik mehr für Ricarda aber wenigstens für unsere Wale und Delfine.

Wie jeden Abend versammelten sich die üblichen Genießer wahlweise auf der Back und im Klüver-baum, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Und wie jeden Abend verschwand die Sonne zunächst hinter dicken Wolken kurz oberhalb des Horizontes, doch an diesem Abend kam sie wenige Zeit später zwischen Wolken und Horizont noch einmal zum Vorschein, um dann als orangefarbener Feuerball im Meer zu versinken. Auch die letzten wurden an diesem Abend vom Karibik Feeling angesteckt. Die Nebeneffekte sind klar, gute Stimmung, Badewilligkeit und träumerisches aufs Wasser blicken.
Jürgen dachte wohl, dass ich mich ebenfalls im Klüver aufhalte, mich den Nebeneffekten hin gegeben  und meine Recherchearbeit aufgegeben habe, dabei will er nur nicht zugeben, dass er längst selbst unter dem Karibik Feeling leidet. Ja gut, ich gebe zu, das mit dem Klüver ist gar nicht so abwegig aber das Berichten vom Bordalltag gebe ich dafür sicher nicht auf!

In der Nacht verließ uns mehr und mehr der Wind und so segelten wir mit einem Knoten Fahrt dahin, wobei segeln das falsche Wort ist eher trieben wir mit zeitweise 0,8 Knoten unserem Ziel ganz langsam näher. Aber wir sind immer noch voll im Zeitplan.

Kapitän Stefan, Jürgen, Lara und  die gesamte Crew