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TÖRN 102.17 – Position 02.02.2017

Tagesbericht  02.02.2017

Törn 102.17  Sal/Kap Verden – Marigot/Saint Martin
Position 08:00 hrs                 19°19‘ N   59°50’W
Tagesleistung: 132 Nautische Seemeilen (SM)
Ost-Nord-Ostwind Stärke 4-5 sonnig, leicht bewölkt, See  moderat bewegt

Liebe Freunde der ALEXANDER von HUMBOLDT II,

ich habe eine gute und eine nicht so gute Nachricht. Zuerst die nicht so gute? Dies ist nämlich unser letzter Törnbericht von unserer Atlantiküberquerung mit der Alex-2. Die gute Nachricht ist, dass das Green Team und ich diesen Logbucheintrag zusammen schreiben werden. Wir hatten in den vergangenen Stunden genug Zeit, um uns alle auszuruhen und wollen in diesem Bericht ein kleines Resümee über unsere Reise ziehen. Aber zunächst gibt es den letzten Bordbericht den wir euch noch schulden.  Dieser ist besonders wichtig, weil etwas Entscheidendes aber vorhersehbares an diesem Tag passiert ist.

1.Februar

Am Vormittag stand die 2. Leichtmatrosenprüfung auf dem Plan, welche erfolgreich von allen (Viel) Leichtmatrosen absolviert wurde. Insgesamt sind damit nun 15 Trainees auf diesem Törn zum Leichtmatrosen geworden. Die Anzahl der Crewmitglieder ist dadurch zum Ende der Reise rasant gestiegen. Herzlichen Glückwunsch! Als Taufe für diese aber auch für alle anderen wurde am Nachmittag ein weiteres Mal der Deckspool geöffnet. Einmal durch den ca. 3 m langen Pool schwimmen damit war die Prüfung endgültig beendet.
Es gab allerdings noch ein paar mehr Besonderheiten an diesem Tag. Die größte und wichtigste es konnte endlich „Land in Sicht“ gemeldet werden. Bereits morgens um 09:15 Uhr konnte man die Silhouetten  der Berge von Saint Martin erahnen und seit dem folgten immer weitere Umrisse zunächst entfernt dann immer klarer wurden die Insel am Horizont sichtbar. Drumherum waren außerdem Bruchstücke anderer kleiner Inseln zusehen.
Mittags sind wir dann vor Anker gegangen, wozu wir uns zum Schluss, segelnder Weise nur mit der Fock bis zu unserem Ankerplatz vorgetastet haben. Wie den ganzen Törn über sah es auch in dieser Situation keiner für nötig den Motor einzuschalten. Und es war auch nicht nötig, denn unsere Segel haben uns sicher hergebracht und die Kommandos wie „Gei auf die Fock“ beherrschen mittlerweile sowieso alle im Schlaf, egal ob frisch gebackener Leichtmatrose oder Trainee.
Die Euphorie war groß schließlich war es jetzt vollbracht, einmal über den Atlantik unter grünen Segeln und das in einem Affenzahn von Geschwindigkeit. Die Besatzung ließ den ungewohnten Anblick erst mal auf sich wirken. Immerhin lag die Alex-2 auf einmal in einer Bucht mit türkisblauem Wasser  und grünen Bergen im Hintergrund und  sie schipperte nicht wie die letzten 20 Tage im tintenblauen Wasser mit nichts als dem Horizont im Hintergrund. Da muss man sich erst mal dran gewöhnen eine ruhige Alex-2 ab und an ein Katamaran der vorbei tuckert und dieses absolut verlockend klare Wasser um uns herum. Am Abend gab es noch ein bisschen Party an Deck VOR-Kapitänsdinner Party sozusagen. Das bedeutet Musik und gute Laune unterm Sternenhimmel auf dem Manöverdeck.

Am nächsten Tag ging es sofort wieder hoch hinaus und alle strömten in die Toppen aus, um fleißig Segel zu packen und die Alex-2 Hafenfein zu machen. Nach der Arbeit folgte die Überraschung des Kapitäns,  welche er am Vortag bereits verkündet hatte. Wir lichteten den Anker und fuhren unter Motor, in die eine Stunde entfernte Badebucht, welche uns der Agent in Saint Martin empfohlen hatte. Die Alex-2 ankerte vor einem wunderbaren Strand, natürlich in sicherer Entfernung und die Badelust wurde endlich gestillt. Dafür sind beide Bereitschaftsboote ausgesetzt worden, damit endlich das lang ersehnte Baden stattfinden konnte.
Nach dem alle ihr hoch verdientes Bad im türkisenen Karibikwasser genommen hatten und sich am weißen Strand, den Untergang der Sonne hinter den Bergen angesehen hatte, wurde sich fein gemacht fürs Kapitänsdinner.

So Jürgen, das war jetzt erst mal alles was ich noch zu berichten hatte oder hast du noch etwas zu ergänzen?
Das Resümee zu beginnen ist wirklich schwierig, ich kann die ganzen Gedanken und Eindrücke gar nicht geordnet wiedergeben. Da gab es Highlights auf diesem Törn wie z.B. die Olympiade von der wir auch berichtet haben, genauso das Sichten von Walen und Delfinen oder die Duschpartys und Poolpartys an Deck. Aber es waren eben nicht nur einzelne Höhepunkte beeindruckend und prägend sondern auch die ganz alltäglichen Dinge (also alltäglich auf der Alex-2) z.B. die Wachen, das Setzten bzw. Bergen der Segel oder auch die vielen Vorträge und Geschichten die wir gehört haben. Natürlich ist auch noch das super Wetter vor allem der Wind zu erwähnen, wobei einige sich zwischenzeitlich auch mal einen Tag Dreckwetter gewünscht haben. Besonders war ebenfalls der Verlust des Gefühls von Zeit, denn aufgrund der langen Reise nonstop, führte schnell dazu dass man Tag und Stunden leicht vergessen konnte. Wo ist das bitte sonst möglich?
Ich glaube ich könnte ewig so weiter machen aber jetzt bist du dran Jürgen. 🙂

Ja, meine liebe Lara, so viel haben wir vom Green Team nicht mehr dazu beizutragen. Du hast Deine persönlichen Eindrücke ganz plastisch und emotional geschildert. Vielen Dank dafür und auch dafür, dass Du Dich in Deiner doch knappen Freizeit immer wieder an den Rechner gesetzt hast und Deine Berichte aus Deiner Sicht unseren Leserinnen und Lesern zu schildern. Ganz toll. Es hat viel Spaß mit Dir gemacht. Nochmals, liebe Lara, DANKE!

Was bleibt für uns noch nachzutragen? Ein Captains‘ Dinner der Extraklasse. Peter und Thomas haben alles gegeben. Unser Captain Stefan hatte sich noch eine Besonderheit einfallen lassen. Gemeinsam mit Ilka Erichsen hat er eine Urkunde entworfen und ganz persönlich für jedes Besatzungsmitglied ein Dokument überreicht das die Meilenleistung 2.439 (nur unter Segeln!) verdeutlicht. Während des Essens hatten die Wachen Gelegenheit sich ganz individuell bei ihren Toppis zu bedanken. Das machte die 4-8 Wache auf ihre eigene Lögel-Art. Die 8-12 Wache führte ein wunderbares Melodram über den Ablauf einer Wache auf und in wohlgesetzten Worten bedankte sich die 0-4 Wache bei ihrem Toppsi. Mit dem Einmarsch der Köche und der Servicekräfte mit der sensationellen Eisbombe und einem unglaublichen Auftritt unseres Thomas an der Gitarre endete dieses Klasse-Diner nach mehr als 2,5 Stunden kulinarischer Vielfalt und Frohsinn allüberall.  Danach? Mit Verlaub, liebe Leserschaft, das bleibt unter uns. Eines sei verraten: Karibische Nächte sind lang und fröhlich. Punkt.

Auch für uns, liebe Lara, ist es schwer ein geeignetes Resümee zu ziehen. Was bleibt? 2.439 Meilen unter Segel und 0 mit Maschine. Wetter, Seekrankheit wurde weg-harmonisiert. Wale, Delphine, fliegende Fische und Fregattvögel. Sonne am Tag, Sterne in der Nacht, die Weite der See, geschäftiges Treiben an Bord und Ruhe während der Nacht.  Die Erkenntnis, wir können die Naturgewalten nicht beherrschen, sie nur nutzen. Uns demütig ihnen zeigen, sie sind stärker. Mit diesem Wissen erreichen wir stets unsere (nautischen) Ziele.  Kameradschaft und Rücksicht bei 19 See-  und drei Landtagen. Eindrücke die es zu verarbeiten gilt. Freundschaften die geknüpft wurden und nun, wieder zurück im Alltag, die Zeit überstehen müssen. Eines war  aber überall zu hören und es war ehrlich gemeint: Wir sehen uns wieder auf der ALEXANDER von HUMBOLDT II. Irgendwann, aber bestimmt.

Kapitän Stefan, Jürgen, Lara und  die gesamte Crew