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TÖRN 102.17 – Position 01.02.2017

Tagesbericht  01.02.2017

Törn 102.17  Sal/Kap Verden – Marigot/Saint Martin
Position 08:00 hrs                 19°19‘ N   59°50’W
Tagesleistung: 132 Nautische Seemeilen (SM)
Ost-Nord-Ostwind Stärke 4-5 sonnig, leicht bewölkt, See  moderat bewegt

Liebe Freunde der ALEXANDER von HUMBOLDT II,

von wegen Ruhepause-Lernpause trifft es schon eher! Denn die Prüfungen für die Leichtmatrosen stehen an und nur weil es LEICHTmatrose heißt, bedeutete das nicht dass es einfach ist einer zu werden. Aber Jürgen hat schon Recht, das Green Team hat sich eine Ruhepause verdient. Also werde ich mal eine Lernpause einlegen und meine Recherche wieder aufnehmen.
Langsam wird allen bange und die ersten bemerken schon, dass unsere Reise sich langsam dem Ende zu neigt, wirklich schade. Eigentlich hatte man die Wochentage und das Datum schon völlig vergessen, spielt auch gar keine Rolle auf See außer natürlich der Seemannssontag, weil es da Kuchen gibt. Aber es ist schon hart wie man langsam auf den Boden der Tatsachen zurückkommt weil man auf der Elektronischen Seekarte sieht, dass wir bei gleichbleibender Geschwindigkeit in einem Tag und ein paar Stunden unser Ziel Marigot erreichen werden. Nun hat man sich gerade so richtig fallen gelassen und ist in der Welt unseres kleinen, ja ich würde es als segelndes Paradies  bezeichnen, hier auf der Alex-2 richtig heimisch geworden und das alles soll schon bald zu Ende sein? Wie doof ist das bitte?
Ja gut, nur weil die Seemeilen vor uns langsam weniger werden und in unserm Kielwasser immer mehr, heißt das ja nicht, dass es schon langweilig werden muss. Weiterhin genießen in vollen Zügen ist die Devise. Noch ist vom Ausguck kein „Land in Sicht“ gemeldet worden, also wird noch gesegelt usw. Richtig. Die Alex-2 fliegt nämlich mal wieder über das Wasser bei 5 Windstärken.

31. Januar

Wieder hatten wir Top Windverhältnisse. Die Alex-2 schwebt übers Wasser, die Sonne dazu,  alle sind gut drauf und  tummeln sich in ihrer Freiwache vorne auf der Back oder hinten auf dem Poopdeck. Segel werden getrimmt, Manöver werden gefahren, Freiwachen werden genossen.
Heute Morgen war der Wind wieder etwas böig. Kurz vor Wachwechsel gegen 11:00 Uhr wurden dann zwei Segel weggenommen, um die Böe, die mit ein bisschen Regen kam, gut abzuwettern. Kein Problem! Danach wurden die Segel wieder gesetzt und es ging geschwind weiter, es gibt also immer was zu tun.  Und so kommen wir unserem Ziel schneller näher als den meisten lieb ist. Voraussichtlich können wir morgen bereits „Land in Sicht“ melden. Aber gut jetzt sind wir wie gesagt erst mal hier immer noch auf unserem Schiff selig mit der Welt und um uns der Atlantik.
An diesem Morgen war jedoch noch etwas besonders der erste Teil der insgesamt 15 Leichtmatrosen hatte seine Prüfung hinter sich zu bringen. Von den Prüfungsbedingungen hat euch Jürgen ja gestern schon erzählt. Kein Wunder, dass alle großen Respekt davor haben was sie im roten Salon an diesem Morgen erwartet.
Gegen 9:00 Uhr sah man die beschriebene Gruppe gespannt in den Salon gehen hinter ihnen wurde die Tür verschlossen und eineinhalb Stunden hörte man nichts von den Prüflingen. Die verbleibenden (Viel) Leichtmatrosenanwärter welche erst Morgen geprüft werden waren mindestens genauso nervös wie die betroffenen. Was für Fragen werden gestellt? Ist das sehr schlimm? Schaffen es alle? Wobei an letzteren eigentlich niemand gezweifelt hat. Als sie rauskamen wurden sie von neugierigen Blicken empfangen. Alles gut bis hier her war ihre erste Rückmeldung. Aber es sollte noch ein praktischer Teil inklusive Riggbegehung und Segel packen folgen. Also begann das Warten ein zweites Mal. Doch diesmal konnte man ihnen von unten beim Schwitzen zusehen.
Alle sieben Prüflinge standen oben auf der obersten Rah des Vortopps und versuchten die Royal zu bändigen bzw. ordentlich in Kauschen zu legen und auf der Rah fest zu zeisern. Gar nicht so einfach! Die Sonne sticht von oben, man versucht sich trotz der Schiffsbewegungen auf dem Fußpferd sicher zu halten währenddessen muss das Segel, welches immer wieder vom Wind aufbläht, wird ordentlich straff zu ziehen und das alles am besten gleichzeitig. Da helfen nur Kommandos. Doch auch diese Prüfung meisterten alle mit Bravour und  so kamen sie nach einer Stunde wieder hinunter und ließen eine gut gepackte Royal oben auf der Rah zurück.

Für die Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse wurden alle bis dahin noch (Viel) Leichtmatrosenanwärter einzeln in den roten Salon gebeten. Und ein letztes Mal wurde bang gewartet. Doch alle hatten diese seemännische Prüfung bestanden. Klaro. Bei der ausführlichen Ausbildung. Davon haben wir ja auch immer im Logbuch berichtet und wenn man mal so zurück blickt gab es da schon einige (Viel) Leichtmatrosenschulungen und Vorträge. Und die eigentliche Prüfung ist so wie so der Törn an sich, da werden die die Anwärter bereits genau beobachtet in dem wie sie sich innerhalb ihrer Wache verhalten, ob sie die Kommandos können, ob sie die Tampen wissen, ob sie Rigg-fest sind und vieles mehr. Die heutige Prüfung war also gewissermaßen nur eine Abschlussprüfung, was sie nicht minder wichtigmacht. Das heißt nur, dass die die zur Prüfung zugelassen werden das Wissen über das Verhalten an Bord, Sicherheit, Rigg und Segel eigentlich schon haben und sie es in dieser Abschlussprüfung nur noch ein Mal unter Beweis stellen müssen. Ordentlichen Respekt davor hatten die (Viel) Leichtmatrosen dennoch und ich habe es auch, weil,  bei dem Rest der heute nicht geprüft wurde geht das ganze morgen los.
Jetzt dürfen sich erst mal alle die glücklichen Gesichter der frisch gebackenen Leichtmatrosen ansehen was natürlich wieder für gute Stimmung gesorgt hat. Sie haben nach ihrer Prüfung noch eine Duschparty an Deck veranstaltet. Klar das gab es die letzten Tage auch schon aber was soll man machen? Das ist wie mit dem Kuchen, man findet immer wieder einen neuen Anlass um welchen zu essen außerdem bei dem Wetter ist eine Abkühlung genau das richtige.

Am Nachmittag sind wir ein „Mann über Bord Manöver“ zur Übung gefahren. Dabei haben wir die Rahen kreuzgebrasst sodass wir in weniger als fünf Minuten die komplette Fahrt aus dem Schiff genommen hatten. Somit hat alles gut geklappt und vor allem schnell, was dran lag das alle an Deck mitgeholfen haben. Eine Wolke zog während des Manövers über uns hinweg und sorgte kurze Zeit später für einem wunderbaren Regenbogen an der Backbordseite. Ein leichtes Raunen zog sich durch die Crew an Deck. Es war nämlich ein Regenbogen den man nicht alle Tage sieht, klar war sein bunter Schweif in Form eines perfekten Halbkreises am Horizont vor zu sehen.

Alles neigt sich dem Ende zu auch die Arbeiten an den Halterungen der Rettungsinsel sind nun zur Freude des Bootsmanns vollständig zu Ende gebracht worden.

Am Abend sind einige noch mal auf die Royal hoch geklettert, diesmal waren es einige der Prüflinge von morgen. Offiziell wollten sie noch mal den Überstieg in die Royal prüfen bevor sie dieses morgen fürs Segelpacken tun müssen. Aber eigentlich waren sie oben, um sich den Sonnenuntergang vom höchsten Punkt des Schiffes anzusehen.  Und der war von dort oben wirklich traumhaft. Ich war zufällig dabei. Natürlich nur aus Recherche Gründen. Man geht ja nicht ohne Grund ins Rigg und eigentlich nur zum arbeiten.  Aber ich kann euch sagen, dass ist definitiv einer der Momente die man nirgendswo schön erleben kann. Man muss sich das vorstellen, auf 36 m Höhe über dem Atlantik um einen herum nur Wasser und dann die Sonne die im Meer versinkt. Naja ich hör jetzt mal auf sonst mache ich euch noch zu sehr neidisch zu Hause.

Heute ist ebenfalls unsere letzte Nachtwache gewesen und das ist wirklich traurig! Die übrigen (Viel) Leichtmatrosen der 0-4 Wache haben heute frei bekommen, um vor der Prüfung einmal durchzu schlafen,  doch das wollten sie gar nicht, also erschienen sie alle um 00:00h wie gehabt zum Wachwechsel und lauschten danach wieder einer von Volkers Sterngeschichten. Dabei saßen sie wie immer auf dem Achterdeck von dem aus man den Sternenhimmel besonders gut beobachten kann. Volker saß zwischen ihnen und hat mit ruhiger Stimme und gewählter Sprache über Chion berichtet und das Sternenbild… erklärt. Mal sehen wer nach dem Törn immer noch um 00:00 Uhr wach wird um den Wachwechsel mit zu machen. Eins ist sicher, Volkers Sterngeschichten werden alle vermissen. Aber davon will ich jetzt noch gar nicht anfangen, denn noch sind wir ja auf See und wollen uns noch keine Gedanken machen über das was wir alles vermissen; denn das wird sowieso eine Menge sein.

Kapitän Stefan, Jürgen, Lara und  die gesamte Crew